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THEATER IN HOFHEIM
Ein Nackter mit Zylinder
 Von JENNIFER HEIN
19. JANUAR 2012


Noch sitzt nicht jedes Wort: Die Hofheimer Theatergruppe probt aber eifrig.  Foto: Bernd Fickert

Das Theater der Generationen in Hofheim führt eine Komödie von Dario Fo auf. „Diebe haben’s schwer“ lautet der Titel des Stücks, das am kommenden Wochenende Premiere hat.
Das hat Straßenkehrer Massimo Porco noch nie erlebt: Er wirft eine Bananenschale in die Mülltonne und die kommt im hohen Bogen zu ihm zurückgeflogen. Er will nachschauen und kriegt einen Schreck: Da sitzt ein nackter Mann in der Tonne, nur mit einem Zylinder bekleidet.
In wunderschönstem Hessisch beginnt Klaus Thanheiser (65) als Straßenkehrer mit dem charmanten Koray Yurdaner (29) als Nackter darüber zu diskutieren, wie der Unbekleidete unbeschadet nach Hause zu seiner Frau kommt – ohne dass die merkt, dass ihm sein Frack abhanden gekommen ist. Der liegt noch in der Wohnung seiner Geliebten. Vielleicht kann der geschäftstüchtige Blumenverkäufer alias Phil Brunner (73) dabei helfen.
Die missliche Lage ist eine der skurrilsten Szenen des neuen Stücks der Hofheimer Laienspielgruppe Theater der Generationen. „Diebe haben’s schwer“ lautet der Titel, für den Regisseur Jochen Rühlmann drei Sketche des italienischen Nobelpreisträgers Dario Fo umgeschrieben und zu einer stringenten Geschichte verknüpft hat. Aus den Einaktern von 1958 „Der Nackte und der Mann im Frack“, „Der Dieb, der nicht zu Schaden kam“ und „Anstreicher sind vergesslich“ strickte er eine boulevardeske Komödie.
Der 71-Jähige hat 40 Jahre Theater gespielt, Regie geführt und in TV-Filmen kleine Rollen übernommen – unter anderem beim „Tatort“. Seit über zehn Jahren führt er das Stammensemble von zwölf Personen an, übt Atemtechniken ein und arbeitet gezielt an Aussprache und Mimik.

Besondere Herausforderung
„Es war eine Herausforderung“, sagt Rühlmann. Von der Idee, eine Amateurtruppe zu leiten, war er anfangs gar nicht so begeistert. Doch schnell habe er gemerkt, das Theater der Generationen ist etwas Besonderes. Es besteht seit 1993, seit 1998 unter diesem Namen, und soll Menschen unterschiedlichen Alters zusammenführen. Dass das prima klappt, merkt man schon bei den Proben, die bereits seit vier Monaten laufen. In der letzten Woche vor der Premiere treffen sich die Schauspieler jeden Tag in der Aula der Gesamtschule Am Rosenberg. Alle arbeiten sehr konzentriert zusammen, es wird viel gelacht.
„Noch sitzt nicht jeder Satz“, sagt Andrea Braune (30). Sie spielt die Frau, die ihren Geliebten nackt aus dem Fenster schickt, weil ihr Mann früher nach Hause kommt. „Die Stimmung ist immer sehr gut“, sagt Fabian Fischer. Der 25-Jährige ist schon seit fast fünf Jahren dabei und findet, dass sich alle enorm weiterentwickelt haben. „Dadurch, dass so viele unterschiedliche Generationen zusammen spielen, wirkt das Stück auch viel authentischer“, findet Tanja Lipinski (39), die Geliebte und Ehefrau mimt.
Regisseur Rühlmann kennt seine Schauspieler und versucht, ihnen die Rollen genau auf den Leib zu schreiben. Nicht immer gelingt das. Koray Yurdaner fiel es nicht leicht, sich mit der Rolle des wohlhabenden Amadeo Bonazzi zu identifizieren, der sich nackt in eine Mülltonne rettet. „Er ist ein Frauenheld, ich nicht.“ Trotzdem nimmt man ihm die Rolle ab. Auch wenn er bei den Proben noch mit einem Stuhl statt einer Mülltonne auskommen muss.

Gespielt wird am Samstag, 21. und Sonntag, 22. Januar, Gesamtschule Am Rosenberg, Stormstraße 54, Hofheim sowie am 28.und 29. Januar, Gaststätte „Zum Löwen“, Hofheimer Straße 3, Lorsbach. Beginn samstags 20Uhr, sonntags 16.30Uhr. Einritt 10Euro. Reservierungen unter Tel. 06195/5335.