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Ein düsterer Humor  

Von Melanie Taylor                                                                                                    07.10.2014

 
Die Premiere glückte: Mit einem erstmals selbst geschriebenen Stück konnte das Theater der Generation das Publikum im Bürgerhaus auf seine Seite ziehen.


Der böse Investor (Klaus Thanheiser, Mitte) hat gegen die Damen und Herren aus der »Bembelbud« keinen leichten Stand.

Marxheim. Die Tapete ist beige gestreift, das Blumenbild verblasst und das Ambiente verstaubt-rustikal. Doch die Gäste der „Aal Bembelbud“ suchen hier keine Begegnung mit der Schickeria. Nein, sie kommen, um ihren Ebbelwoi zu trinken, ein Schwätzchen zu halten und sich zu Hause zu fühlen. „Hier ist die Welt noch in Ordnung“, bringt es Lieschen Schmitt, eine junge Frau, auf den Punkt.

Es heimelte sehr in der Premiere des Stücks „Die Aal Bembelbud“ im Bürgerhaus Marxheim: Urige Gestalten, etwas Mundart und eine aktuelle Geschichte mit spannender Wendung sorgten am Samstagabend beim Publikum für gute Unterhaltung. Das Schöne: Die Komödie wirkte nicht nur durch deftige Witze, sondern ebenfalls durch einen düsteren Humor und interessante Zwischentöne, die es den Zuschauern nicht ganz leicht machten, zwischen Gut und Böse zu urteilen.

Die Geschichte: Ein arroganter und widerlicher Bauunternehmer kehrt in der Kneipe ein und eröffnet der Wirtin sowie ihren Gästen, dass er das gesamte Viertel gekauft habe, alles dem Boden gleichmachen und etwas anders aufbauen wolle. Davon fühlen sich die Wirtin (Jacqueline Samstag), die Kellnerin (Verena Gemünden) und die Gäste so bedroht, dass sie ihm kurzer Hand den Prozess machen und ihn lynchen wollen.

Gläzende Momente

In dem erstmals selbstgeschriebenen Stück vom „Theater der Generationen“ arbeiten die Schauspieler mit verschiedenen humoristischen Stilmitteln wie der Wiederholung, der Übertreibung und der Pantomime. Das sorgt immer wieder für frischen Schwung. Dennoch hat ebenfalls der subtilere Humor einige glänzende Momente: So ist es komisch, dass lediglich der Bauunternehmer, der sich später als drangsalierter Flüchtling und ehemaliger Bewohner des Viertels entpuppt, wunderbares Hessisch spricht, während die anderen trotz ihrer Loblieder auf Heimat und Tradition, sich fast nur in Hochdeutsch äußern. Makaber und finster wird es, wenn die normalen Leute von den Opfern zu Tätern werden und etwa das mit rosa Schleifen im Haar dekorierte Lieschen (Nicole Sonntag) laut den Tod des Bauunternehmers einfordert und kurz darauf das Hackebeil schwingt. Dass das Publikum mit den hier meuternden und beinahe meuchelnden Kleinbürgern sympathisiert, ihre Wut und ihre Verlustängste auch vor aktuellen Diskussionen um den Strukturwandel vieler Städte nachvollziehen kann, zeigte sich im Szenenapplaus. Den erhielt zum Beispiel Lieschen, als sie den Bauunternehmer bezichtigte, alles – „unsere Wurzeln und Heimat“ – zu vernichten.

Überhaupt erhielt die Gruppe von den rund 50 Zuschauern im Marxheimer Saal einigen Beifall: „Die Rückmeldungen war gut bis sehr gut“, freut sich Klaus Thanheiser, der den Bauunternehmer spielt. Gerade der regionale Bezug habe großen Anklang gefunden. Gut angekommen sei auch, dass das Hofheimer Theater der Generationen erstmals auch ein selbst geschriebenes Stück auf der Bühne gezeigt habe.

Lizenzgebühr sparen

Der Grund hierfür war übrigens, dass die Theaterfreunde das Geld für die Lizenzgebühren sparen wollten. Das Experiment hat sich gelohnt: Die Schauspieler – Jacqueline Samstag, Bente Gossel, Nicole Sonntag, Verena Gemünden, Melanie Krell, Klaus Thanheiser, Bruni Stratenwerth – und Regisseur Henri Weise haben überdies festgestellt, dass sich das Ganze auch sehr positiv auf die Probenarbeit und das Schauspiel selbst auswirkt. „In vielen Fällen können wir uns in den Texten selbst wiederfinden“, freut sich Thanheiser. Die „Aal Bembelbud“ ist als nächstes am Samstag, 8. November, um 20 Uhr sowie am Sonntag, 9. November, um 17 Uhr jeweils in der Kulturscheune Liederbach an der Feldstraße 4 zu sehen.

http://www.kreisblatt.de/lokales/main-taunus-kreis/Ein-duesterer-Humor;art676,1066640