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Bruni Stratenwerth im Theater der Generationen

Lampenfieber habe ich schon als Schulkind beim Aufsagen eines Weihnachtsgedichts im größten Saal des Heimatdorfes kennen gelernt. Bei späteren Einzel-  oder Duettaufträgen im Kinderchor der Stadt drohte auch noch Heiserkeit! Es folgten Proben deutscher Literatur, angefangen mit Hans Sachs, dann das Puppenspiel von Dr. Faustus nach Goethe, eine Männerrolle -  ich konnte mich unter der Puppe verstecken!
Es folgte die Interpretation der Emily in „Unserer kleinen Stadt“ von Thornton Wilder, amerikanische Kleinstadtidylle, wo das junge Mädchen, zur Frau herangereift schließlich im weißen Brautkleid als Tote Huldigungen der Lebenden an ihrem Grab entgegen nimmt.
      
Das führte zu unvergesslichen Träumen.

Expressionismus- und Avantgarde-Erfahrungen, wo die von mir verkörperte Marie auf der Bühne erschossen wird. (Damit Teilnahme an der jährlichen Laienspielwoche in Korbach). Natürlich reifte der Plan, Schauspielerin zu werden -  und ich bestand die Eignungsprüfung, obwohl ich mich gleichzeitig aufs Abitur vorbereitete.
Nach dem Abitur wurde mir eine andere Rolle von der Schöpfung zugewiesen: Die Liebe zu einem Mitspieler -  in drei Jahren herangereift -  ließ mich erst einmal einen kleinen Jungen zur Welt bringen, den ich natürlich selbst großziehen wollte. Er sollte kein Einzelkind bleiben! Sobald wir aus eigenen Kräften eine 4-köpfige Familie ernähren konnten in für Kinder geeignetem Umfeld, wurde uns ein quirliges kleines Mädchen beschert.
Die sechziger Jahre brachten glücklicherweise Auseinandersetzungen mit den Erziehungsidealen der Vergangenheit. Pädagogik, Psychologie, Psychoanalyse und Soziologie wurden von mir zunächst nur über Lektüre in Angriff genommen; es folgte Teilnahme an eínem Seminar wöchentlich als Gasthörerin. Meine Mitarbeit führte bei Mitstreitern zu dem Appell: “Schreib dich doch ein!“

Studium mit Wartezeiten, familiär ausgefüllt, folgten; zwei Staatsexamen und 20 Jahre Berufstätigkeit  - mit allen Altersgruppen vom Babyalter, Grundschule, Pubertät, über frühe Familiengründungen bis in die Selbständigkeit junger Menschen beiderlei Geschlechts  -  füllten mich vom frühen Morgen bis in späte Abendstunden aus.
Ende der Berufstätigkeit mit 62,5 Jahren.

Da gab es immer noch familiäre Pflichten, so dass ich erst 2006 ins Theater der Generationen eintrat, um mit Spaß Theater spielen zu können.